Videobildbearbeitung / Filmen

Achtung diese Seiten unterliegen dem Copyright. Vervielfältigungen oder Kopien dieser Seite sind mit dem Autor abzusprechen und zu genehmigen.

Zurück

Einleitung   Grundlegendes  Storyboard  Vermeiden von 

Praxistip Storyboard    Praxistip Zoomen   Praxistip Schwenken

Einleitung:

Zu diesem Thema gibt es sicherlich viel zu sagen und wenn man die Filme von anderen Leuten sieht grault es so manchem. Langweilig, wackelig, unscharf, über-/unterbelichtet.... An diesen Dingen gibt es so manches, was man ändern kann. Aus einer schlechten Aufnahme kann man nun mal keine gute Filmsequenz machen. Auch wenn die beste Hardware und Software auf dem PC zur Verfügung steht. Es gibt ein paar Regeln an die man sich halten sollte. Schon bei den Aufnahmen können oder kann man sein Storyboard, die Geschichte die zu erzählen ist, berücksichtigen. Hierzu jedoch später mehr. Anhand der einzelnen Rubriken, so hoffe ich, kann der Leser sich orientieren.

Viel Spass Michael Geißler 

Grundlegendes:

Machen Sie sich mit der Kamera vertraut. Setzen Sie sich mit Ihrem Handbuch nebst Kamera an einen hellen Platz, möglichst draussen. Die Kamera gleich auf das Stativ, die Bedienungsanleitung auf einen Tisch. Hilfreich ist es wenn Sie einen Kopfhörer parat haben um die manuelle Aussteuerung des Tones probieren zu können. Nun beginnen Sie mit den Trockenübungen. Am Besten noch nicht filmen, solange Sie noch probieren, da das Bandmaterial hierbei immer an den Aufnahmeköpfen schleift. Somit verschleisst das Band und insbesondere der Aufnahmekopf. Lassen Sie sich Zeit. Üben Sie das wechseln der Kasette und der Akkus. Versuchen Sie nicht alle Funktionen der Kamera auf ein mal zu beherrschen. Das sprengt den Rahmen und die meisten Funktionen sind einfach überflüssig. Wichtig sind Zeit- Blendenautomatik, reichlicher/weniger Belichten, Einblenden von Datum und Zeit, Ein- Ausblenden einer Szene. Die häufigste Ursache von schlechten Aufnahmen sind Unschärfen der Aufnahme. Der Autofocus ist häufig zu langsam (insbesondere im Dunkeln). Versuchen Sie sich mit der manuellen Einstellung vertraut zu machen. Profis verzichten gänzlich auf den Autofocus (dazu später mehr). Bedenken Sie, dass Sie die Funktionen ihrer Kamera auch in einer dunkleren Umgebung im Schlaf beherrschen sollten.

Erste Schritte für einen Film (Storyboard):

Als erstes machen Sie ihren Film in Ihrem geistigem Auge,.....  dem Kopf  fertig.

Fragen Sie sich:

  • Was will ich auf der Leinwand oder dem Fernseher zeigen ?
  • Welche Geschichte soll erzählt werden ?
  • Und welche Bilder sind dafür notwendig ?

Noch mal : Unbedingt vorher überlegen !

  • Welche Bilder brauche ich ?
  • Welche Story/Geschichte möchte ich erzählen ?

Einen guten Videoreporter von einem schlechten zu unterscheiden ist ganz einfach:

Der Gute hat die entscheidenden Momente eines Vorganges tatsächlich gedreht und die bezeichnenden Bilder eingefangen.

Der Schlechte dreht eine bunte Zusammensetzung/Collage aus beliebigen Einstellungen.

Praxistip Storyboard: filmen Sie:

Ihre Frau wie sie mit einem Tablett aus dem Haus kommt.

Was auf dem Tablett steht.

Wie der Tisch gedeckt wird.

Filmen Sie aber auch:

Ihren Strassennamen.

Ihr Haus mit der Hausnummer.

Den Briefkasten mit Ihrem Namen.

Mit anderen Worten: es ist für den Zuschauer einfacher, über Klare Aussagen und Motive, den Film verständlicher aufzunehmen.

Insbesondere für Urlaubsfilme ist eine klare Ortsbestimmung von nutzen. Das können Motive sein, wie, Gebäude (Wahrzeichen Hamburger Michel; Frauenkirche München; Empire State Building USA), Tiere (Kängurus Australien, Elefanten Afrika, Eisbären wo leben die nur) usw. sein.

Symbolische -Bestimmungen/Aussagen sind die Bahnhofsuhr im Wartesaal, das Rumdrehen eines Zündschlüssels vor der Abfahrt eines Autos, das Starten eines Flugzeuges das Abfahren eines Schiffes. 

Alle Szenen sollten eine Mindestlaufzeit von 7-10 sec. haben. Es ist immer besser mehr Rohmaterial beim schneiden zu haben ! Es müssen noch In/Out-Points gesetzt werden 

Es ist ganz normal, und auch den Profis geht dies nicht anders, dass im Eifer des Gefechts unscharfe, schlecht belichtete und gerissene Aufnahmen dabei sind. Besser so als gar nicht. Im Zweifel die gerade Aufgenommene Szene neu drehen. Winken Sie die alte Szene mit Ihrer eigenen Hand vor dem Objektiv ab. Das erleichtert Ihnen den späteren Schnitt am PC. Als Hinweis für eine schlechte Aufnahme. Jetzt wieder was ganz schlaues. Was Sie nicht aufnehmen,.... können Sie später auch nicht schneiden. Wegschmeissen ist leicht, ein "Nachdreh" meist unmöglich.

Wenn Sie einmal auf den Aufnahmeknopf gedrückt haben, drehen sie die Szene zu Ende - auch wenn scheinbar nebenan etwas Wichtigeres passiert. Sonst ist nachher alles nichts. Es bleibt immer noch die Möglichkeit bei einem späteren Schnitt die Geschichte zu ändern.

Vermeiden von:

Filmen ohne Stativ. Benutzen Sie zumindest ein Einbein-Stativ oder suchen Sie sich eine Möglichkeit sich anzulehnen (Wand, Zaun, Baum), Abzustützen (Baumstamm, Auto, Freund/Freundin). Vor allem bei Tele-Aufnahmen kann niemand die Kamera wackelfrei halten. Besonders zu bemerken ist hier, der Digitale-Zoom. Der Digitale-Zoom, ist eine rechnerische Hervorhebung eines Bildausschnittes. Der Computer vergössert das Aufnahmebild in technischer Hinsicht. Die Qualität leidet darunter. Anti-Verwackelungen, wie sie moderne Kameras mitbringen (mechanisch als auch Digital) nutzen hier gar nichts. Im Gegenteil das Bild wird dunkler die Aufnahme schlechter. Beachten Sie: sie haben immer eine Hand mehr für die Bedienung der Kamera frei.

Schwenken Sie sparsam ! Das menschliche Auge "schwenkt" in der Regel auch nicht, sondern es "springt" von einem Betrachtungsschwerpunkt zum anderen. Ein guter Schwenk wird zudem auch von einem Stativ unterstützt. Der Schwenk sollte langsam durchgeführt werden. Praxistip Schwenken

Zoomen! Der Zoom an einer Kamera dient in erster Linie dazu, die Einstellungsgröße des Motives vorzunehmen. D.h. den Bildausschnitt zu wählen. Erst dann wird gefilmt. Vermeiden Sie mit dem Zoom herumzuspielen. Das Ergebniss sind unscharfe Aufnahmen Das verspreche ich Ihnen. Praxistip Zoomen

Einblendung von Datum und Zeit Diese Funktion dient bei der Aufnahme des Rohmaterials nur zu Ihre Information (10 Jahre später... Wann war das eigentlich ??). In einem Film möchte niemand diese Hinweise sehen. Für den chronologischen Ablauf ist dies nur für Denjenigen interessant, der die Aufnahmen gemacht hat oder sie schneiden muss. Dann kann er die schlecht beschrifteten Kassetten zumindest der Reihenfolge nach sortieren. An dieser Stelle lasse ich mal den Begriff Timcode fallen.

Praxistip Zoomen  Filmen Sie von einem Stativ aus, zoomen Sie mit der maximalen Zoom-Stärke auf das entfernteste Objekt/Motiv das Sie filmen wollen. Der Autofocus ist natürlich aus. Wie oben erwähnt. Stellen Sie die Schärfe auf das Motiv ein. Nun können Sie den Zoom wieder aufmachen (wegzoomen). Von nun an ist die Schärfeneinstellung zu ihren Objekten immer auf die richtige Schärfe eingestellt. Ist doch scharf oder ? Sitzen Sie noch im Garten ? Probieren Sie es aus.

Erfahrene Kameraleute benutzen sie tatsächlich meist nur in der Aufnahmepause für die Auswahl der richtigen Einstellung. Nicht während das Band läuft.
Auch technisch ist der Zoom eine Herausforderung: Die meisten Zoomwippen lassen sich nur mit viel Fingerspitzengefühl sauber starten und stoppen.
Die Folge: selten gelingt es, den Zielpunkt souverän einzufangen und anzufahren. Statt dessen gibt es oft zögerliche Starts und verhuschte Enden.
Nur wer ein Objekt wirklich langsam immer mehr an Bedeutung gewinnen lassen will, sollte sich auf das Glücksspiel mit dem Zoom einlassen.

Beispiele für sinnvolle Zooms:

  • Ein Aufzieher von einem Boot auf dem Meer auf die Totale.
  • Ein Zoomen auf ein Objekt, welches vorher aus der Totalen (Weitwinkel) gefilmt wurde. Und somit überhaupt nicht entdeckt wurde (Freundin aus der Masse hervorheben). Vor dem filmen auf die Schärfe achten.
  • Ein Ran-Zoom auf ein Auge, dass dann aufschlägt
  • Bei längeren Personenaufnahmen: Eher weg von der/den zu filmenden Personen und aus sicherer Entfernung vom Stativ aus agieren. Hier braucht man nur ein wenig hin und her zoomen. Am Besten manuell. Das Objekt fühlt sich lockerer und entspannter und wirkt automatisch natürlicher. Nicht von der Kamera verfolgt.

Praxistip Schwenken. Auch hier gehört ein gutes Stativ zur Grundausrüstung. Billige Stative haben den Nachteil das ihre Lagerung nicht gut ist. Das erschwert das Anfahren und Anhalten von eingeleiteten Schwenks. Es ruckelt auf dem Stativ und somit auch im Bild. Ein gutes Stativ kostet nun mal >300 ,-

Auch einen Schwenk gut hinzukriegen ist hohe Schule der Kameraarbeit. Denn nicht nur Anfang und Ende müssen interessant sein. Auch alles, was auf dem Weg dahin passiert.

Generell gilt:

  • Schwenks führen von einem vorher definierten Startpunkt zu einem vorher definierten Endpunkt.
  • Schwenks sind keine "Bildersuche mit der Kamera"! Deshalb stets vorher mehrfach "trocken" üben.
  • Jeder Schwenk beginnt und endet mit einer unbewegten Kamera. Eine Einstellung niemals mitten im Schwenk abbrechen.

Beispiele für sinnvolle Schwenks:

  • Mitschwenk eines Vorbeifahrenden Autos - Ende auf Stoppschild.
  • Abschwenk einer Zugverbindung von A nach B auf einer Karte.
  • Schwenk zwischen zwei Kampf-Gegnern über Zuschauer.

Aus der Hand drehen dürfen sie natürlich auch: Mit Weitwinkel-Objektiv oder für die sogenannte subjektive (Aus der Ich-Position) Kamera. Sonst wirkt es meist nur unruhig.

Zum Beispiel:

  • Das keuchende Treppen-Steigen. (subjektive)
  • Die enge Kombüse (Weitwinkel)
  • Der Blick durchs Autofenster auf hohe Fassaden (Weitwinkel)

Die richtige Einstellung

Wählen Sie jetzt den geeigneten Bildausschnitt. Je nach Motiv und Aussagekern ändert sich dabei ständig die Einstellungsgröße. Hier einige Ausschnitt-Größen und ihre Wirkung :

  1. Totale - Sie verschafft den Überblick (wo befinde ich mich?) und führt ins Handlungsgeschehen ein.
  2. Halbtotale - Hebt ein Objekt aus der Beliebigkeit heraus und setzt es mit seiner direkten Umgebung in Verbindung. In der Regel sind Personen in der "Ganzkörper-Ansicht" zu sehen.
  3. Halbnah - Die halbnahe Einstellung zeigt den Oberkörper einer Person formatfüllend. Sie erfasst die Gestik und Gefühlsregung der betreffenden Person.
  4. Nah - Die Naheinstellung zeigt den Kopf einer Person formatfüllend. Der typische "Close-up" zeigt sehr deutlich Gefühlsregungen, ohne unnatürlich groß zu werden.
  5. Detail - Objektstrukturen (wie etwa Holzmaserung) und Körperteile (Nase, Augen, Lippen usw. werden unnatürlich groß.) Wirkt bei von Personen sehr intim. Mit Bedacht einsetzen.

Jetzt Schärfe per Hand oder durch Autofocus regeln, erst dann in Ruhe den Auslöser drücken und laufen lassen.

Haben Sie Geduld: Jeder "take" - also die Aufnahmezeit vom Start bis zum Stop - sollte eine Länge vor mindestens 7 Sekunden haben. Im Schnitt werden Sie verschiedene In- und Out-Punkte brauchen.

So wird's interessant

Wechseln Sie die Kameraposition: Nicht immer "stehend Aufrecht"! Auch kniend, liegend (Froschperspektive) oder von einem erhöhtem Standpunkt (Vogelperspektive).

Zum Beispiel:

  • Kinder und Tiere aus deren Augenhöhe,
  • Fassaden interessanter Bauwerke ganz schräg von unten.
  • Fahrt der Kamera im Einkaufswagen durch den Supermarkt.

Großaufnahmen, Großaufnahmen, Großaufnahmen!
Die Kamera bringt den Zuschauer ans Geschehen - "So nah, als wäre man da". Aber nicht mit Tele heranzoomen, sondern selber "rangehen"!

"Schuss und Gegenschuss" sorgen für neue Einsichten:

  • Vorne: Eine Frau schreibt. / Über die Schulter: ...ihren Abschiedsbrief.
  • Total: Der Politiker schwört... / Seitlich: ...mit gekreuzten Fingern
  • Außen : Ein Verbrecher knackt die Tür / Innen: Der Hausherr wartet.

Zerlegen Sie Vorgänge in mehrere Einstellungen mit jeweils verschiedenen Einstellungsgrößen. Unser Auge "wandert" auch. Der "Fluss" ergibt sich später im Schnitt in der fertigen Sequenz.

Beispiele:

  • Playtaste drücken nahe - Mensch vor CD-Player total.
  • Ministertreffen Total - Dokumentenübergabe, halbtotal.
  • Auto fährt in Schlange halbtotal - sehr langer Stau Totale.

 Tipps und Tricks zur Kameraarbeit:

Das Geschehen "passt" nicht ins Bild ? Zu große Gebäude, Landschaft, Menschenmassen... ? Einfach in mehreren Einstellungen auflösen. Bewusst keinen Zoom und keinen Schwenk verwenden.

Wenn sich im Bild etwas bewegt, ist die Kamera ruhig. Ist das Bild "tot" (z. B. Mauern, Gebäude), nicht wie wild anfangen zu schwenken: Besser viele Einstellungen drehen - lebendig wird's im Schnitt.

Ein Fahrzeug fährt durchs Bild ? Weiterdrehen bis es wieder ganz aus dem Bild heraus ist. Keinesfalls Kamera stoppen. Das wirkt später im Schnitt abgehackt.

Das gehört zum guten Ton

Bei Aufnahmen mit Sprache oder Musik externes Mikrofon benutzen. Einbau-Mikrofone zeichnen nur eine Geräuschkulisse (Atmo) auf.

Besser: ein Richtmikrofon nahe am Objekt. Im Freien: Windschutz nicht vergessen.

Bei Aufnahme einer Musik-Darbietung die Kamera niemals stoppen. Das Musikstück von Anfang bis Ende "durchziehen". Am besten stur auf dem Musiker bleiben. Kleine Schwenks oder Zooms sind erlaubt ; das Abschalten der Kamera ist verboten - sonst gibt´s "Tonsalat". Dann das nächste Musikstück nutzen und Zuschauer-Szenen für Zwischenschnitte aufnehmen.

Hinweis: Wenn ein Signal schon bei der Aufnahme übersteuert ist, kann es im Nachhinein nicht mehr verbessert werden - auch nicht mit elektronischen Filtern.

Guck mal wer da sichtet

Das Material ist gedreht. Jetzt geht´s ans Angucken.
Rechnen Sie mit einem Zeitaufwand von 1 zu 2:
eine Stunde Material = zwei Stunden Sichten.

Wichtig ist vor Allem die Timecodeliste - sonst suchen sie sich nachher dumm und dämlich. Präzise Bildbeschreibungen machen und Hinweise geben zur Art des Gedrehten - Totale, Schwenk etc.- Das spart Zeit.

O-Töne immer ausschreiben: Sie sind das Gerüst für den Film und müssen passen. Am Besten, Sie benoten die einzelnen Aussagen - und die Einstellungen auch. So behalten Sie die Übersicht.

Zum Beispiel:

***

 Unbedingt verwenden

**

 gute Einstellung

*

 verwendbar

Alles rund im Schnitt

Beim Editieren gilt die Faustformel: Einer Stunde Schnitt = 1 Minute Film. Wer sich mehr als 10 Minuten am Tag vornimmt, setzt sich nur unnötig unter Druck. Ein guter Film braucht eben seine Zeit.

Wählen Sie nun die gewünschten Einstellungen aus und montieren Sie sie in die gewünschte Reihenfolge. Die einzelnen Szenen trimmen, also auf bildgenaue Länge bringen, eventuell Übergangs-Effekte einbauen.

Noch ein paar Hinweise zur Schnittgestaltung, damit Ihr Film mehr wird als nur ein paar aneinandergereihte Clip-Sequenzen:

Eindeutige Bilder am Filmanfang und Filmende, sowie nach den O-Tönen. So kommt die Geschichte sofort ins Laufen und hat einen klaren Schluss.

Klare Schnittfolgen: Zuerst Totale oder Halbtotale, dann Halbnah bis Nah, dann viele, viele Großaufnahmen. Oder umgekehrt: Spannung erzeugen - vom Nahen zur Auflösung in der Totalen.

Jetzt noch Ihren Kommentar dazu sprechen. Den Film wieder zurück auf Video bringen - fertig.

Fortsetzung folgt :-)

Ausrüstung:

 

Originalton:

Belichtung:

Zurück